Fisch an Land

Kommt der Fisch an Land, so sind meist unsere Teller und Mägen seine Bestimmung. Wie wir mit Fisch und anderen Meeresfrüchten umgehen, ist nicht nur in hohem Maße kulturabhängig, es scheint geradezu ein Spielgel der Nahrungs- und Genusskultur unterschiedlicher Regionen unseres Planeten. Da steht der legendäre Fischmarkt in Tokio (Tsukiji) neben der Poissonnerie in Frankreich neben der prosaischen Supermarkt-Theke in Deutschland und man fragt sich, wie ein oft weltweit gehandeltes Produkt wie Fisch so unterschiedlich daherkommen kann, wenn es auf uns, die Verbraucher und Genießer trifft. 

Ein erster Hinweis ergibt sich, wenn ma das Selbstverständnis der Fischindustrie anschaut. Hier wird vor allem in Quoten und Mengen gedacht - und ja - je nach Land und Kultur gerade beim Fisch zunehmend auch auf Kundenvertrauen geschaut.

Zu den Quoten und Mengen: Weltweit werden laut Fischwirtschaft etwa 130 Millionen Tonnen Fisch verzehrt. Für Deutschland beträgt der durchschnittliche Verzehr pro Kopf 15,2 kg pro Jahr (für 2012), also unter dem weltweiten Durchschnitt von 19,2 kg pro Kopf und Jahr. Etwa zwei Drittel davon sind Seefische und Meeresfrüchte aus dem Meer bzw. aus Kulturen im oder am Meer, das verbleibende Drittel sind Fische, Muscheln, Krustentiere aus Süsswasser bzw. Süsswasserkultur (Quelle: Fischwirtschaft, Daten und Fakten 2013). Mehr Details über Fangquoten, Tonnage, Import, Export, Lieblingsfische auf unseren Tellern etc. in obigem Bericht.

Das Thema hat insbesondere in Deutschland längst umweltpolitischen Charakter. Empfehlungen zum ökologisch und sozial verträglichen Fischkonsum sind überall erhältlich, nur ändern sie nicht viel. Dabei ist es ganz einfach:

Karpfen Karpfen aus europäischer Teichwirtschaft gelten als unbedenklich, weil sie kaum zusätzliches Futter brauchen und oft naturnah leben. Bei Bio-Karpfen sind Erdteiche Vorschrift.

Forelle Bach- und Regenbogenforelle aus Öko-Aquakultur gelten als absolut unbedenklich. Einige konventionelle Zuchtbetriebe halten zu viele Tiere auf zu engem Raum.

Hering Heringe sind vertretbare Speisefische, wenn sie nicht aus kritischen Fanggründen gefischt wurden. Dazu zählen etwa die westliche Ostsee und das Meer vor Cornwall (England).

Kabeljau (Dorsch) Kabeljau aus dem Nordostpazifik und Dorsch der östlichen Ostsee gelten als akzeptabel für den Fischfang. Kabeljau stammt aus der Nordsee, sein Bruder Dorsch aus der Ostsee.

Lachs Nur der Pazifik gilt als akzeptabler Fischgrund für Wildlachs. Bestände im Nordostatlantik haben dagegen Probleme. Empfehlenswert ist Zuchtlachs aus Bio-Aquakulturen.

Makrele Der Schwarmfisch kann nahezu ohne Beifang gefangen werden. Als kritisch gelten relativ wenig Bestände wie die in der Nordsee und im Skagerrak/Kattegat.

Pangasius Er sollte aus Bio-Aquakultur stammen, konventionelle Zucht belastet häufig die Umwelt.

Seelachs Er gilt als vertretbar, wenn er im Nordostatlantik gefangen wurde.

Tilapia Der vegetarisch lebende Fisch gilt als ideal für die Aquakultur, weil er keinen Wildfisch als Futter benötigt. Schlecht geführte Farmen können aber die Umgebung belasten.

Zander Die Bestände im Süß- und Boddenwasser in Westeuropa und Skandinavien sind in gutem Zustand. In Estland und Westrussland sieht die Lage aber kritischer aus.

Europäischer Aal Er steht in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. In Gefangenschaft vermehren sich Aale nicht. Aalfarmen päppeln daher junge Glasaale aus der Wildnis.

Roter Thun Er ist in allen Meeren der Welt überfischt. Umweltschützer halten die Bestände im Westatlantik und im Mittelmeer für vom Aussterben bedroht, die im Ostatlantik für stark gefährdet.

Tiefseerotbarsch Er heißt auf Lateinisch sebastes mentella, wächst sehr langsam im tiefen Meer und ist extrem anfällig für Überfischung. Gefangen wird oft mit zerstörerischen Grundschleppnetzen.

(Quelle: http://www.test.de/Fisch-Mit-gutem-Gewissen-4174425-4174433/)

Wem das zu kompliziert ist, der schaut auf Qualitätssiegel, braucht aber auch hier einen gewissen Durchblick:

Fisch Special

MSC: Das Siegel vergibt die internationale unabhängige Organisation Marine Stewardship Council (MSC) für Wildfisch, der - so jedenfalls der Plan - nachhaltig gefangen wurde. MSC wurde 1997 von der Umweltstiftung WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet. Das Siegel garantiert, dass Bestände nicht überfischt und Fische mit schonenden Methoden gefangen werden. Vielen sind diese Methoden aber nicht konsequent genug. Hierzulande gibt es bereits mehr als 1 600 MSC-Produkte: tiefgefroren, als Konserve oder frisch. Der Fischhändler des Vertrauens oder der Supermarkt, alle verweisen gern auf MSC-Siegel.

Fisch Special

EU-Biosiegel: Seit  2009 gibt es in der EU-Ökoverordnung verbindliche Richtlinien für Bio-Aquakulturen. Sie gelten für Fische wie Lachs, Forelle, Seebarsch und Karpfen, aber auch für Krebstiere, Muscheln und Algen in Salz- und Süßwasser. Leider scheint sich das Siegel nicht auf breiter Front durchzusetzen,  die Produkte muss man in Deutschland insbesondere beim Frischfisch, mit der Lupe suchen…Frag den Fischhändler Deines Vertrauens…

Fisch Special

Naturland Aquakultur: Der Bioanbauverband Naturland zertifiziert weltweit den meisten Biofisch aus Aquakulturen. Das Siegel gibt es für elf Fischarten. Vorgeschrieben sind etwa niedrige Besatzdichten. Der Verzicht auf Gentechnik, Hormone, vorbeugende Medizin wie Antibiotika wird garantiert. Die Richtlinien sind strenger als die EU-Öko-Verordnung. Wer etwa Lachs aus Aquakultur genießen möchte, liegt mit diesem Siegel nicht schlecht.

Fisch Special

Naturland Wildfisch: Das 2010 eingeführte Siegel für nachhaltig gefangenen Wildfisch gibt es bisher nur für den umstrittenen Viktoriabarsch aus Tansania. Das Pilotprojekt am Victoriasee umfasst auch soziale Standards. Der Besatz mit dem dominanten Raubfisch hat ja die auf Fischerei basierten Kulturen am Victoriasee nachhaltig beeinträchtigt. Wer also auf diesen Fisch steht, kommt um dieses Siegel nicht herum.

Fisch Special

Bioland: Der Bioanbauverband zertifiziert ausschließlich Fische wie den Karpfen, die sich pflanzlich und ohne Fischfutter ernähren. Die netten Fische heißen im Fachjargon dann auch “Friedfische” (keine Raubfische eben). Die Farm ist naturnah bzw. in ein Ökosystem integriert. Bioland hat strengere Öko-Vorgaben als die EU.

(Quelle zu den Siegeln: http://www.test.de/Fisch-Mit-gutem-Gewissen-4174425-4174431/)

So, nun Schluss: Das hier ist ja kein Umwelt-Blog, aber mit gutem Gewissen geniesst man besser. Impressionen folgen

Ja, alles eigene Fotos…

So, die nächste Frage flattert ins Haus. Ja, ich poste hier nur eigene Fotos, auch auf den Unterseiten zu den Meeren und Ozeanen. Deshalb füllen sich einige der Unterseiten schneller, denn ich bin halt öfter an/auf der Nordsee, am/auf dem Mittelmeer und am/auf dem Atlantik als am indischen Ozean…Und vielen Dank für die positiven Rückmeldungen. Das ist so kurz nach dem Start wirklich motivierend. Bald gibts neue Bilder und dann auch die ersten Hintergrundgeschichten …